Lust auf Mee(h)r

Mai 2023

Wir haben Lust auf Mee(h)r. Auf atemberaubende Küsten, auf wilde Klippen und das endlose Blau des Atlantiks. Auf kitschige Sonnenauf- und -untergänge, auf malerische Meerespanoramen, bunte Gezeitenpools und spiegelglatte Wasserflächen. Gleichzeitig sehnen wir uns nach einer Pause, nach Zeit zum Durchatmen und nach einem Tapetenwechsel. Deshalb planen wir in diesem Frühjahr eine etwas andere Reise: Zu Sonnenauf- und -untergang sind wir mit Fotokamera unterwegs, dazwischen bleibt ganz bewusst Zeit zum Entspannen und Nichtstun. Drei sorgfältig ausgewählte Airbnb-Unterkünfte werden für ein paar Tage unser Zuhause. Mit Portugal finden wir das perfekte Reiseziel für diese Mischung aus Abenteuer und Entschleunigung.

Wie immer auf Fotoreisen gehören frühes Aufstehen und spätes Zubettgehen zum Programm. Je nach «Photospot» klingelt der Wecker zwischen 04:15 und 05:00 Uhr und reisst uns aus unseren süssen Träumen – eine Uhrzeit, die uns alles andere als leichtfällt. Doch für spektakuläre Fotos machen wir fast (!) alles. Und die stillen, menschenleeren Momente des frühen Morgens sind jede Müdigkeit wert. Noch bevor die Sonne aufgeht, stehen wir an der Küste, suchen im ersten Dämmerlicht unseren Photospot und richten das Stativ aus. Dann heisst es warten. Warten auf das erste Licht, das sich langsam über den Horizont schiebt und die Landschaft Stück für Stück aus der Dunkelheit holt. Bereits jetzt beginnt unser kurzes Zeitfenster, denn mit jeder Minute verändert sich die Stimmung. Die ersten zarten Farben erscheinen am Himmel, die Felsen nehmen Konturen an und das Meer beginnt zu schimmern. Schliesslich blinzelt die Sonne hinter den Felsen hervor und taucht die Küste in warmes, goldenes Licht. Schnell fangen wir die magischen Momente mit unseren Kameras ein, bevor das besondere Licht wieder verschwindet. Am Abend wiederholt sich das Schauspiel auf andere Weise. Der Himmel beginnt zu glühen, das Meer schimmert im letzten Licht und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Wie wir diese Momente lieben, wenn die Sonne das Meer küsst und die Luft voller Magie liegt.

Wir geniessen die Postkarten-Idylle an der Praia de Albandeira und der Praia da Marinha, wo sich imposante Sandstein-Felsbögen über das türkisfarbene Meer spannen und der Küste ihren unverwechselbaren, wilden Charakter verleihen. Bei Ponta de Piedade führt uns unser Weg zwischen bizarren Felsformationen und steilen Klippen hinunter zum Meer. Die langen, schmalen Treppen, die sich den Felsen entlang nach unten winden, wirken von oben beinahe wie eine kleine chinesische Mauer. Weiter geht es zur Praia do Castelejo, wo wir uns zu später Stunde am Strand den A**** abfrieren – denn auch die schönste Landschaftsfotografie hat manchmal ihren Preis. Am Cabo de São Vicente, dem sagenumwobenen «Ende der Welt», pfeift uns der Wind um die Ohren und lässt uns erahnen, wie gewaltig der Atlantik sein kann.

Weiter nördlich wartet ein ganz anderes Bild auf uns. Am Praia da Santa Cruz erhebt sich ein riesiger, geneigter Felsbogen aus dem Meer und trotzt scheinbar unbeeindruckt den Wellen des Atlantiks. Einen reizvollen Kontrast zu den rauen Küstenlandschaften bilden die fotogenen Gezeitenpools in Vila Nova de Milfontes. Und schliesslich sorgt die Vasco-da-Gama-Brücke in Lissabon mit ihren eleganten Linien und den faszinierenden Spiegelungen für einen farbenfrohen Abschluss unserer fotografischen Reise.

Doch Portugal schenkt uns mehr als spektakuläre Motive. Landschaftsfotografie an diesen wilden Küsten bedeutet für uns Entschleunigung pur. Es bedeutet, Zeit zu haben. Den Wellen zuzusehen, wie sie ungebremst gegen die Felsen schlagen. Den Wolken nachzuschauen, die langsam über den Himmel ziehen und immer neue Bilder in die Landschaft malen. Es bedeutet Innehalten, dem Rauschen des Meeres zu lauschen und den Blick weit über den Atlantik schweifen zu lassen. Für ein paar Augenblicke wird alles andere unwichtig – und wir geniessen einfach den Moment.

Vielleicht ist es genau das, was wir gesucht haben: Mee(h)r von dieser Ruhe, Mee(h)r von diesen Momenten und Mee(h)r von diesem wunderbaren Gefühl, einfach angekommen zu sein.

«Am Meer findet die Seele ihren Rhythmus.»

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