Die weissen Engel der Camargue

April 2023 | März 2024

Pferde begleiten mich, seit ich denken kann. Mit zehn Jahren wird aus der kindlichen Begeisterung eine lebenslange Leidenschaft. Heute bin ich selbst stolze Pferdebesitzerin. Diese wunderbaren Geschöpfe faszinieren mich mit ihrer kraftvollen Eleganz und ihrem zugleich so sanften, sensiblen Wesen. Jedes von ihnen ist auf seine ganz eigene Weise einzigartig. Ihre grossen, ausdrucksvollen Augen gewähren einen tiefen Blick in ihre Seele und berühren mich immer wieder aufs Neue. Pferde haben mich gelehrt, genauer hinzusehen und ihrer leisen Sprache zu lauschen. Für mich sind sie die grössten Lehrmeister. Ehrlich und unverfälscht spiegeln sie uns auf ihre ganz eigene, stille Weise. Nichts lässt sich erzwingen. Wenn wir ihnen die Freiheit lassen, sie selbst zu sein, und ihnen mit offenem Herzen begegnen, zeigen sie uns ihre ganze Würde und schenken uns ihr tiefstes Vertrauen.

Noch heute sehe ich die wunderschönen Pferdekalender von Gabriele Boiselle vor mir, die mich schon als Kind faszinierten. Pferde in leuchtenden Blumenfeldern, an endlosen Stränden oder frei inmitten weiter Landschaften – Bilder, die mich schon als Kind stundenlang in ihren Bann gezogen haben. Diese besondere Bildwelt hat sich tief in mir eingeprägt. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass ich ausgerechnet in der Camargue zum ersten Mal Pferde fotografiere. Hier darf ich meine beiden Leidenschaften verbinden: meine Liebe zu Pferden und die Freude daran, besondere Momente mit der Kamera einzufangen.

In der Camargue, wo sich Himmel und Landschaft in sanften Farben begegnen und das Licht bei Sonnenauf- und -untergang die Welt in einen besonderen Zauber taucht, wird dieser Traum Wirklichkeit. An unterschiedlichen Orten begegne ich den weissen Engeln Frankreichs mit meiner Kamera. Auch ein Nachmittag mit den schwarzen Ikonen der Camargue, den Stieren, ist geplant. Die Locations könnten kaum abwechslungsreicher sein: am Strand, im Wasser und auf den weitläufigen Weideflächen der Camargue. Gemeinsam mit den weissen Pferden entstehen hier Szenen von atemberaubender Schönheit.

Auf trockenem Boden wirbeln die Tiere den Sand auf, während Wasserspritzer aus dynamischen Bewegungen lebendige Kunstwerke entstehen lassen. Doch nicht nur die spektakulären Momente ziehen mich in ihren Bann. Auch die ruhigen Augenblicke, in denen die Pferde friedlich beieinanderstehen oder grasen, strahlen eine ganz besondere Schönheit aus. Jede Begegnung hat ihren eigenen, unverwechselbaren Charme.

Glücklich beobachte ich die Harmonie und den Frieden innerhalb der kleinen Pferdeherden. Gleichzeitig amüsiert es mich, wie die Tiere immer wieder Unfug aushecken und versuchen, sich heimlich aus dem Staub zu machen – was ihnen tatsächlich mehrmals gelingt! Kleine Neckereien, freundschaftliche Rangeleien und ihre ganz unterschiedlichen Charaktere sorgen für besonders lebendige und amüsante Bilder. Für mich als Pferdeliebhaberin ist jede dieser Begegnungen ein ganz besonderer Genuss.

Besonders das Spiel der Hengste verzaubert mich auf beiden Reisen. Für mich verkörpert es Freiheit, Anmut und die unverfälschte Schönheit dieser wunderbaren Geschöpfe. Auf meiner ersten Reise erlebe ich den Tanz zwischen Kraft und Eleganz zweier friedlicher Junghengste, die sich immer wieder aufbäumen und ihre wallenden Mähnen im Wind tragen. Auf der zweiten Reise bietet der Himmel dazu ein grandioses Spektakel. Während sich die beiden Junghengste freundlich beschnuppern und Zärtlichkeiten austauschen, gehören auch ein paar Kicks, Freundschaftsbisse und gelegentliches Aufbäumen dazu – gerade genug, um DAS perfekte Foto einzufangen.

Mit diesen beiden Reisen erfülle ich mir einen lang gehegten Traum. Ich kehre mit unzähligen Fotografien zurück, doch eigentlich nehme ich weit mehr mit nach Hause: Erinnerungen an Begegnungen, die mich berühren, an Momente voller Freiheit und an jene stille Verbindung, die man nicht erklären muss, sondern einfach fühlen darf.

«Für mich sind Pferde Engel. Sie kommen in unser Leben, um uns zu beschenken und uns zu lehren.
Doch ihre leisen Botschaften hören wir nur, wenn wir bereit sind, hinzusehen und unser Herz zu öffnen.»

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